Hoffnung auf eine bessere Zukunft
Reisebericht aus Zimbabwe
Annette Keller, Vorstandsmitglied fepa
Vom 18. Mai bis 4. Juni 2009 begleitete ich Barbara Müller, langjährige Geschäftsführerin des fepa, auf ihrer Projektreise nach Zimbabwe.1 Unsere Reise führte uns zu allen durch den fepa in Zimbabwe unterstützten Projekten: Youth Empowerment and Transformation Program YET, Youth Ahead Zimbabwe YAZ, Batanai und Dangwe Arts. Während der ersten Woche war Ruedi Küng, der Afrikakorrespondent von Radio DRS, mit uns unterwegs.
(Sendung International, mp3, 13.0MB)
Ich war zutiefst beeindruckt vom Einsatz der in diesen Organisationen engagierten Menschen und der riesigen Wirkung, die ihr Engagement hat. Eine viel grössere
Anzahl Menschen als ich mir bisher hätte vorstellen können haben in der einen oder anderen Weise einen Nutzen davon.
Gerne beschreibe ich im Folgenden einige meiner vielen Eindrücke dieser Reise. Wer mehr über die einzelnen Projekte erfahren möchte, klicke jeweils
im Text auf den Link mit dem Namen des jeweiligen Projekts.
Grundstimmung des Aufbruchs und der Hoffnung
Überall im Land begegneten Barbara Müller und ich einer hoffnungsvollen Grundstimmung. Seit Februar wird Zimbabwe bekanntlich durch eine Regierung geführt,
der auch die Opposition um Morgan Tsvangirai angehört. Die Staatsangestellten bekommen wieder etwas Lohn (jeder und jede 100$ im Monat), die Inflation ist gestoppt
(dank Einführen von Fremdwährungen anstelle des Zimbabwe-Dollars), und die Regale in den Läden sind wieder gefüllt. Die allermeisten Zimbabwer und
Zimbabwerinnen können sich allerdings noch immer sehr wenig leisten. Dennoch – dank einer guten Ernte, der weiterhin aktuellen internationalen Lebensmittelhilfe und
viel gemeinschaftlicher Flexibilität ist der Hunger für den Moment zurückgegangen. Zudem können die Menschen im Allgemeinen offener über Politik
sprechen und sogar zu ihrer Zugehörigkeit zur Opposition stehen.
Andererseits gibt es noch keine neuen Arbeitsplätze oder Einkommensquellen, funktioniert das Bankenwesen nicht, die Schulen können sich absolut kein Schulmaterial
leisten. Auch zweifeln noch viele daran, dass die Partei von Präsident Mugabe wirklich bereit ist, die Macht zu teilen.
Trotzdem herrscht fast überall eine Grundstimmung der Hoffnung und der Zuversicht, dass mit dem letzten Jahr die schlimmste Zeit vorbei ist und mit geeinten Kräften
eine bessere Zukunft für Zimbabwe möglich wird.
Auf den Spuren der Ereignisse des letzten Jahres –
Reise nach Chipinge
Während der Gewalt 2008 verbrannte Häuser von Oppositionsanhängern
Am ersten Wochenende führt uns ein junger Mann aus der Provinz Chipinge durch seine Heimatregion. Dieser westliche Teil des Landes war letztes Jahr im Vorfeld der Wahlen vom
März und Juni ganz besonders betroffen von Einschüchterungen und Gewalt durch die Sicherheitskräfte und Parteianhänger von Präsident Mugabe. Auch der
junge Mann – dessen Namen ich hier bewusst nicht nenne – wurde verhaftet, mehrere Wochen im Gefängnis festgehalten und gefoltert. Auf der Reise erzählt er uns seine
erschütternden Erlebnisse.
Ihm ist es ein grosses Anliegen, uns zu einigen der Familien zu führen, die letztes Jahr in besonderem Mass unter der Gewalt litten. Auch das Anwesen seines Vaters – ein
traditioneller «Chief» – war überfallen, ausgeraubt und angezündet worden, da er die Opposition unterstützte. Als wir an diesem Sonntag zu Besuch kommen,
warten neben dem Vater und mehreren Ältesten auch viele Nachbarinnen auf uns. Nach einer gebührenden und herzlichen Begrüssung erzählt uns eine Frau nach der anderen,
was sie letztes Jahr erlebt hat, wie Parteianhänger auf ihr Anwesen drangen, das Vieh stahlen, Möbel wegschleppten, Velos zerstörten, sie selber bedrohten und schlugen und
dann noch das Haus in Brand steckten. Viele Tränen kamen hoch. «Und jetzt mit anzusehen, wie unser Vieh auch heute noch auf der Weide des Nachbarn, der zu den Tätern
gehörte, grast – das macht uns zusätzlich wütend», meint ein älterer Mann bitter. Sie seien bereit für eine Versöhnung zugunsten der Zukunft
des Landes – aber Voraussetzung sei, dass sie wenigstens ihr Vieh wieder zurückerhalten. Dabei wird deutlich, wie tief die Wunden noch immer sind und wie lange der Weg zu einer
nachhaltigen «nationalen Versöhnung» sein wird.
YET – Youth Empowerment and Transformation Programm
Workshop von MAYO zur neuen Übergangsregierung in Mutoko
YET – Youth Empowerment and Transformation Programm hat sich zur Aufgabe gesetzt, aktive junge Menschen im ganzen Land zu vernetzen und zu fördern, sie zu befähigen, Verantwortung und Führung zu übernehmen beim
Wiederaufbau und der Gestaltung der Zukunft Zimbabwes.
Wir besuchen YET in diesen zwei Wochen mehrere Male. Dessen Leiterin Lucy Mazingi ist uns behilflich beim Einfädeln verschiedener weiterer Kontakte. Es zeigt sich: YET hat sich in
den fünf Jahren seiner Existenz einen hervorragenden Namen innerhalb der Zivilgesellschaft geschaffen. 17 zimbabwische Jugendorganisationen sind unterdessen durch YET miteinander
vernetzt. Zusätzliche Jugendorganisationen haben sich gemeldet, die sich ebenfalls beteiligen möchten. Viele heutige Leiterinnen und Leiter haben ihre
Führungsfähigkeiten in Workshops und der
«Winterschool», einem jeweils zweiwöchigen
«Leadership training», bei YET gelernt
oder weiter entwickelt. Für die bevorstehende diesjährige Winterschule im Juli gibt es doppelt so viele Anmeldungen wie Plätze.
Um die Wirkung der Aktivitäten von YET auf die beteiligten Jugendorganisationen zu erfahren, nehmen wir an einem Workshop der Organisation «MAYO» – «Marvel
Act Youth Organisation» bei Mutoko, im Nordosten Zimbabwes, teil. Abel, ein junger Mann aus der Gegend, hat sie vor einigen Jahren gegründet und sich mit seinen Freundinnen
und Freunden zum Ziel gesetzt, sich aktiv an der Lösung anstehender gesellschaftlicher Probleme zu beteiligen. Er empfängt uns stolz mit einem T-Shirt mit der Aufschrift
«Young People Make Some Noise». Auch er ist ein Absolvent der Winterschule von YET und hat dort einerseits seine Organisations- und Leitungsfähigkeiten ausbauen
können, andererseits Vertreterinnen und Vertreter anderer Jugendorganisationen kennen gelernt. Zwei von ihnen sind an diesem Tag mit dabei und helfen bei der Leitung des Workshops.
Heute geht es darum, mit Jugendlichen aus der Gegend die Anliegen der jungen Menschen für die Zukunft Zimbabwes zu besprechen. An vielen Orten des Landes finden solche Workshops statt,
als Grundlage für die Formulierung einer zukünftigen Jugendpolitik, die wirklich die Anliegen der jungen Menschen aufnimmt und nicht irgendwo in einem Büro formuliert wird.
60 Jugendliche sind versammelt. Während wir auf Nachzügler warten, werden wir interessiert über die Schweiz und ihr politisches System ausgefragt. Einige erzählen ihrerseits,
wie sie letztes Jahr vor den Wahlen gezwungen wurden, gegen ihren Willen sogar ihre Eltern und Verwandten zu bedrohen, damit sie die Regierungspartei wählen. Es sei ihnen zwar verboten worden,
darüber zu sprechen, aber sie müssten dies nun einfach tun…
Der Workshop beginnt dann mit einem Austausch darüber, was sich seit der neuen gemeinsamen Regierung geändert hat. Beispielsweise, dass sich die Polizei nun wieder um den Schutz der
gesamten Bevölkerung kümmere – aber auch schlicht und einfach, dass es nun bei einem solchen Workshop in der Pause wieder etwas zu Trinken und Brot gebe. Letztes Jahr mussten
die Menschen in der Gegend froh sein, wenigstens eine feste Mahlzeit im Tag zu erhalten.
Später kommt die Frage auf, ob junge Menschen überhaupt Einfluss nehmen können oder ob sie sowieso machtlos seien. Die Ansichten sind geteilt, bis jemand meint: Aber wir sind doch
so viele. Gemeinsam können wir Einfluss nehmen und mitgestalten!
Genau dies ist auch die Überzeugung von YET. Bei verschiedenen weiteren Besuchen von Jugendorganisationen haben wir uns davon überzeugen können, wie viel hier an
«Empowerment» geschehen ist und geschieht. Eine der Referentinnen sagte zu Beginn eines solchen Meetings: «Ohne das YET-Training hätte ich mich nie getraut, heute hier
vorne zu stehen und zu euch zu sprechen. YET hat mich zu der Person gemacht, die ich heute bin»
Youth Ahead Zimbabwe YAZ
Einige Tage später besuchen wir
YAZ – Youth Ahead Zimbabwe, das ebenfalls vom fepa unterstützt wird.
«Youth Ahead Zimbabwe» bildet im Township
Kuwadzana bei Harare arbeitslose junge Menschen aus. Neben handwerklichen Kursen bietet YAZ Computerkurse an sowie Beratung und Mikrokredite für den Start eines eigenen Geschäfts. Auch
die persönlichen und sozialen Kompetenzen der Teilnehmenden werden gefördert – durch regelmässige Information und Auseinandersetzung mit alltäglichen, gesellschaftlichen
und politischen Fragen Zimbabwes.
Wir besichtigen die neuen Werkstätten von YAZ im Township Kundzwana. Vor zwei Monaten mussten sie aus den alten ausziehen. Die Miete war massiv erhöht und damit für YAZ unbezahlbar
geworden. Glücklicherweise wurden YAZ Räume in der Gemeindeverwaltung angeboten – allerdings sind sie dunkel und klein.
Als wir zu Besuchen kommen, stehen alle Maschinen still. Die Kursteilnehmenden sitzen wartend im Halbdunkel. Wie am alten Ort fällt auch in den neuen
Räumen regelmässig der Strom aus, nur etwa während der Hälfte der Zeit funktioniert die Elektrizität. Benzin für den Generator kann sich YAZ kaum leisten.
Und doch müssen die Arbeitenden und Kursteilnehmenden ganztags anwesend sein – denn sie wissen nie, wann die Stromversorgung funktioniert und wann nicht. Ich staune über die
Geduld der wartenden jungen Leute.
Ein weiteres Problem, mit dem sie konfrontiert sind: Die Stimmung im Land ist zwar dank der neuen Regierung und dem Ende der Inflation positiv, wie auch Direktorin Prudence Chingwena betont.
Trotzdem fehlt den Menschen das Geld, häufig auch nur, um das Nötigste zu kaufen. Eine der Näherinnen erzählt uns: für das Nähen eines Jupes erhält sie
oft gerade einmal zusätzlich zu den Materialkosten 1 Dollar. Nicht weil die Leute nicht mehr bezahlen
wollen, sondern weil sie nicht mehr bezahlen
können
Und doch gibt es auch Positives zu berichten: Strahlend erzählt der Schlossermeister, dass er einen festen Vertrag mit einer Schule für Reparaturarbeiten abschliessen konnte. Er
führt uns gleich zu dieser Schule, und der Schulleiter berichtet, wie zufrieden er mit der Arbeit von YAZ sei.
In der Diskussion mit den Kursteilnehmenden berichten viele der jungen Menschen, wie wichtig die Ausbildung und die Arbeit für sie sei – trotz der im Moment sehr schwierigen
Marktsituation. Sie hätten Stabilität, Sinn und Selbstwertgefühl gewonnen. Ein junger Mann meint mit schelmischem Schmunzeln: «Mein Leben hat eine radikale Wende genommen,
seit ich bei YAZ eingestiegen bin. Vorher war ich ein einflussreicher Drogenhändler in der Gegend. Heute bin in ich eine wertvolle Stütze für die Gemeinschaft im Township.» Ein anderer junger Mann betont: «Vorher war ich mir nicht bewusst, dass ich auch Rechte habe. Nun weiss ich, dass es diese gibt. Niemand kann mich mehr zum Narren halten.»
Eine junge Frau erzählt: «Von dem Geld, das ich mit Näharbeiten verdient habe, konnte ich mir nun eine eigene Maschine kaufen.» Überall schwingt Stolz über das Erreichte mit.
Die Mitarbeitenden von YAZ warten übrigens ungeduldig auf die 500 Velos, die aus der Schweiz Richtung Zimbabwe unterwegs sind. Der Verkauf dieser Velos wird ihnen zusammen mit Spenden helfen,
regelmässig Benzin für den Generator zu kaufen und ein Verkaufslokal in der Stadt zu suchen, um ihre Produkte besser vermarkten zu können.
Batanai
Batanai: Die Home-based care givers sind an ihren Schürzen erkennbar.
Einige Tage später fahren wir in die Provinz Masvingo. Hier steht der Besuch der Organisation
Batanai auf dem Programm, mit dem der fepa seit 10 Jahren verbunden ist.
Batanai ist ein Netzwerk von Menschen mit HIV/Aids. Als Selbsthilfe-Bewegung gegründet, besteht Batanai heute aus über 700 Selbsthilfegruppen von HIV/Aids-Betroffenen.
Ihre Mitglieder unterstützen sich gegenseitig, übernehmen die Pflege von anderen Betroffenen im Dorf und kümmern sich um Waisenkinder. Die Gruppen werden regelmässig von den
Fachleuten von Batanai besucht und geschult.
Wir sind im Hause des Sohns der Gründerin von Batanai und jetzigen Programmverantwortlichen Farai Mahaso und seiner Familie untergebracht. Wir sitzen im Wohnzimmer – zusammen mit Farai
und seiner Frau, ihren zwei kleinen Kindern und fünf Geschwistern und Cousins. Sie alle haben ihre Eltern durch HIV/Aids verloren. Sie können im Haus von Farai leben, bis sie ihre
Ausbildung abgeschlossen haben und hoffentlich dann auf eigenen Füssen stehen. Selbstverständlich übernimmt er die Verantwortung, die ihm als ältestem Sohn der Familie
traditionsgemäss zugeschrieben ist.
Am nächsten Tag sind wir den ganzen Tag mit dem Jeep auf dem Land in der Region Gutu unterwegs. Zusammen mit Kumbirai und Kathie, zwei Sozialarbeiterinnen, besuchen wir Organisationen und
Selbsthilfegruppen, die mit Batanai zusammenarbeiten. Überall hören wir dasselbe: Batanai ist für sie lebenswichtig. Allerorts wird ihre Arbeit gelobt, denn die Selbsthilfegruppen
sind der Grundpfeiler der Unterstützung für HIV/Aids-Betroffene. HIV/Aids prägt das Leben in der Provinz in unglaublichem Masse: Mehr als ein Viertel der Bevölkerung sind
Waisenkinder unter 18 Jahren. Viele Haushalte werden durch Grossmütter geführt. Oft sind die älteren Waisen selber verantwortlich für einen ganzen Haushalt und ihre
jüngeren Geschwister. Sie müssen für Unterkunft, Nahrung, und Schulgeld sorgen – für uns fast unvorstellbar.
Am Nachmittag ist ein Treffen mit den Selbsthilfegruppen angesagt. Als wir bei der Klinik, dem vereinbarten Treffpunkt erscheinen, warten mehr als zweihundert Menschen unter den Bäumen im Hof.
Neben den Teilnehmenden der Selbsthilfegruppen (meist Frauen, aber auch einige Männer sind darunter) sind auch mehrere Dorfvorsteher und Dorfvorsteherinnen gekommen sowie Freiwillige, die sich
um Waisenkinder kümmern. Nachdem wir im Schatten eines riesigen Baumes Platz genommen haben, führt eine Gruppe nach der anderen eine Produktion auf. Meist ist es ein Lied mit Tanz, aber
auch Rollenspiele werden gezeigt. Eine junge Frau spielt etwa auf herzerfrischende Art einen Mann, der in der Hauptstadt sorglos sexuelle Beziehungen unterhält und dann als aidskranker Mann zu
seiner Frau aufs Land zurückkehrt. Gelächter geht durch die Reihen – trotz der eigenen Betroffenheit. Die Lieder der Gruppen haben berührende Texte.
Die Dorfvorstehenden sind gekommen um zu unterstreichen, wie wichtig die Arbeit der Selbsthilfegruppen von Batanai auch für sie und die gesamte Gemeinschaft ist. In der Diskussion mit
einzelnen Teilnehmenden wird deutlich, welch wertvolle Arbeit hier geleistet wird. Viele Mitglieder unterstützen sich nicht nur gegenseitig, sondern besuchen regelmässig bis zu sechs
weiteren Haushalten mit HIV/Aids-Betroffenen. Danach gefragt, was sie sich wünschen, fragen sie nicht nach Entlöhnung, sondern nach T-Shirts mit einer offiziellen Aufschrift und einem
Zertifikat für ihre Ausbildung. Damit würde ihr Einsatz offizielle Anerkennung und Wertschätzung erhalten – das scheint wichtiger zu sein als Geld. Wir versprechen gerne,
ihr Anliegen aufzunehmen, und auch in der Schweiz von ihrer gegenseitigen Unterstützung und Solidarität trotz eigener Not und Schwierigkeiten zu erzählen. Zutiefst beeindruckt und
nachdenklich machen wir uns auf die Rückreise in die Stadt.
Dangwe Arts
Der von Batanai angestellte Lehrer im «Schulzimmer».
Als letzte Station besuchen wir das Projekt
Dangwe Arts.
Dangwe Arts ist ein Zuhause für Waisen und Kinder, die sonst auf der Strasse aufwachsen würden. Duncan Nkuwasenga und Mavis Chikwanda leiten die Gemeinschaft mit unterdessen 24 Kindern.
Sie leben vom Einkommen aus selbst hergestelltem Kunsthandwerk und Spenden des fepa.
Wir treffen Duncan, den Leiter von Dangwe Arts, auf dem nahegelegenen Markt. Zuerst gehen wir zusammen einkaufen: 4 kg Poulet, 10 kg Kartoffeln, Äpfel, Bananen, Orangen, Reis… Für
26 Personen gilt es viel zu kaufen. So viele Kinder leben unterdessen bei Dangwe Arts. Trotz sehr beschränkter Mittel achten die Hauseltern Duncan und Mavis auf eine gesunde Ernährung.
Wir kommen gerade rechtzeitig zum Mittagessen: Alle Kinder und Jugendlichen sitzen im Innenhof im Kreis versammelt und warten, bis Mavis das auf dem Feuer gekochte Essen auf die 26 Teller verteilt hat.
Es gibt weder Elektrizität noch Tische, die Teller stehen auf dem sauberen Boden. Geduldig warten alle, bis das Essen verteilt ist. Gegessen wird ruhig – erst als alle Teller
zurückgestellt, die frisch eingekauften Orangen zum Dessert verteilt und alle Hände gewaschen sind, geht es ab in die Umgebung und beginnen Spiel, Auseinandersetzung und Lärm.
Duncan führt uns anschliessend herum und erzählt von den neusten Entwicklungen: Fast alle Kinder sind im Schulalter. Da das Schulgeld und die Transportkosten jedoch zu hoch sind, entschieden
sie sich, selber ein Lehrerehepaar anzustellen. Das kostet weniger als alle Kinder in die Schule ins Township zu schicken. Ein Zimmer wurde kurzerhand zum Schulzimmer umfunktioniert. Allen ist bewusst,
dass dies nur eine vorübergehende Lösung sein kann – aber in diesen schwierigen Zeiten müssen immer wieder ungewöhnliche Lösungen gefunden werden.
Nur die älteren Kinder und Jugendlichen können Kunsthandwerksgegenstände produzieren. Das Einkommen daraus muss jedoch für alle reichen. Das ist in der gegenwärtigen
Situation ein ständiges Ringen. Zurzeit reicht es knapp füs tägliche Essen. Schon Kleider sind aber ein Problem. Das stabile Haus, das dank Spenden des fepa gebaut werden konnte,
ist weit fortgeschritten. Aber noch fehlen Decken, sanitäre Installationen, Maler- und Pflasterarbeiten.
Und doch: Die 26 Kinder haben dank dem stetigen Einsatz von Duncan und Mavis und dank finanzieller Unterstützung aus der Schweiz ein Zuhause, haben genügend zu essen, Freunde und Freundinnen
und können zur Schule gehen.
Kaum waren wir wieder zurück in der Schweiz, kam ein Mail aus Zimbabwe: die Nationalgalerie in Harare hatte einen Fotowettbewerb für Schüler und Schülerinnen im ganzen Land
ausgeschrieben und dazu Einwegkameras an Interessierte verteilt. 50 Schulen beteiligten sich am Wettbewerb. Mit Freude und Stolz schrieb Duncan: «Unsere» Kinder haben den 1. und 2. Preis
gewonnen!
Ich bin sehr dankbar, dass ich als Vorstandsmitglied mit Barbara Müller diese Reise machen konnte und Zimbabwe, die vom fepa unterstützen Projekte und ihre Menschen kennenlernen durfte.
Ihre Kraft, ihr Durchhaltevermögen, ihre Hoffnung und nicht zuletzt ihr Humor haben mich zutiefst berührt. Sie haben mich im Glauben an den Nutzen der Unterstützung durch den fepa
bestärkt. Mein Dank geht aber auch an die Geschäftsführerin Barbara Müller. Eine bessere Reisepartnerin kann man sich für Zimbabwe nicht wünschen. Dank ihrer
langjährigen Verbundenheit und ihrem Engagement mit und für Zimbabwe wird sie überall hoch geschätzt und geachtet – als Expertin, aber auch schlicht geliebt als «our
Sister». Das überträgt sich auch auf die Wertschätzung des fepa als Organisation.
Für meine Reise wurden keine Spendengelder verwendet.